Zusammenfassung eines Vortrags bei der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) 2020

Elektronisch erfasste Okklusionstherapie und Fixationsänderung am Augenhintergrund bei Amblyopie mit exzentrischer Fixation

Berna Mehmed, Maria Fronius, Tabea Pohl, Charlotte Schramm, Bettina Spieth, Christian Hofmann, Thomas Kohnen, Yaroslava Wenner

Fragestellung: Amblyope Patienten mit exzentrischer Fixation zeigen ein schlechteres Ansprechen auf die Okklusionstherapie als solche mit zentraler Fixation. Dennoch wurde bei dieser Gruppe die Effizienz der Amblyopietherapie unter elektronisch registrierter Okklusion bisher nicht untersucht. Unser Ziel war, die Auswirkung der gemessenen Okklusionsdauer auf die Visusentwicklung und die Fixationsänderung bei diesen Kindern zu untersuchen.

Methodik: In unserer Pilotstudie wurde die Visusentwicklung während 12-monatiger Okklusionstherapie bei 13 Kindern (2,9-12,4 Jahre) in zwei Altersgruppen (<7 Jahre n=7,  >7 Jahre n=6) untersucht. Berichtet werden Ergebnisse zum Nahvisus für Reihenoptotypen. Die Dauer der Okklusion wurde elektronisch mit einem Mikrosensor erfasst und die Fixation mit dem direkten Ophthalmoskop bestimmt.

Ergebnis: Die verschriebene mittlere Okklusionsdauer lag bei 7,7 (2,5-9,9) h/d. Die unter 7-Jährigen zeigten eine Compliance von durchschnittlich 71% (6,1 h/d) und die über 7-Jährigen von 39% (2,7 h/d). Der Anfangsvisus nach refraktiver Adaptation von 3 Monaten lag im Median bei 1,2 logMAR. Die jüngere Gruppe erreichte nach 12 Monaten im Median einen Visusanstieg von 1,0 (0,6-1,7) log Einheiten und eine interokuläre Visusdifferenz von 2 Reihen. In der älteren Gruppe betrug der Visusanstieg im Median 0,2 (0-0,5) log Einh. und die interokuläre Differenz 9 Reihen. Fünf Patienten (alle <5 Jahre) erreichten eine interokuläre Visusdifferenz von <2 Reihen während des Untersuchungszeitraumes. Die Effizienz (Visusbesserung in log Einh. pro 100 h Okklusion) lag im Median nach 1 Monat bei 0,11 (ca. 1 Reihe Besserung pro 100 h Okklusion), nach 4 Monaten bei 0,06 und nach 12 Monaten bei 0,04. Die jüngeren Kinder zeigten im gesamten Zeitraum im Median eine höhere Effizienz als die älteren (0,05 vs. 0,03). Alle Kinder <7 Jahren außer einem (6,5 Jahre, 4,9 h/d Okklusion) erreichten zentrale Fixation, durchschnittlich nach 2,5 (1-4) Monaten. Bei der Hälfte der älteren Kinder zentralisierte sich die Fixation, im Mittel nach 4,3 (3-6) Monaten.

Schlussfolgerung: In unserer Studie wurde erstmals bei exzentrischer Fixation die Abnahme der Therapieeffizienz mit steigendem Alter quantitativ beschrieben, analog zu früheren Daten bei Kindern mit zentraler Fixation (Fronius et al. 2014). Bei jungem Alter und guter Compliance ist trotz niedrigem Anfangsvisus foveolare Fixation mit geringer interokulärer Visusdifferenz nach durchschnittlich 2,5 Monaten erreichbar.